Die alte INTERFLUG im www
Historische Betrachtungen zur einstigen DDR-Fluggesellschaft INTERFLUG

last updated:
04-Okt-2016


Revision 3.0
Werbung

Autor: Dr. Ulrich Unger
18.09.2016

Die Werbung der Luftfahrtunternehmen der DDR (Deutsche Lufthansa und Interflug)

Die Werbung der Deutschen Lufthansa wurde ernsthaft 1956 eingeläutet, als sich die Abteilung Presse und Werbung etablierte. Leiter der Abteilung war Ulrich Queck. Später, Ende 1969, trennte man die Abteilung auf in zwei Struktureinheiten, in die Presse und Öffentlichkeitsarbeit und in die Werbung. Als der für die Werbung zuständige S. die Republik verließ, übernahm 1960 Renatus Schulz die Werbung der Interflug. Im Jahre 1965 übernahm für fünf Jahre Gottfried Bormann diese Aufgabe.
Mit der Bildung einer selbstständigen Abteilung Werbung übernahm deren Leitung wieder Renatus Schulz und nach dessen Erkrankung 1985 leitete bis zum Ende des Unternehmens Klaus EIbe.
In den Gründerjahren etablierte sich ein Werbebeirat. Dem gehörten die Leiter der wichtigsten Bereiche / Betriebe des Unternehmens sowie einige weitere berufene Persönlichkeiten an. Von diesem Rat ließ sich der Werbeleiter jährlich sein Konzept absegnen und nahm Anregungen entgegen. Zu diesen jährlichen Veranstaltungen gab es auch stets eine kleine Ausstellung über die Werbung des letzten Jahres und eine Art Rechenschaftsbericht. Mit der Übernahme der Generaldirektion durch Klaus Henkes im Jahre 1978 änderte sich diese Praxis. Der Werbebeirat wurde durch den Generaldirektor höchstselbst ersetzt.

1975 arbeiteten in der Abteilung Werbung 25 Mitarbeiter (acht Männer und 17 Frauen), davon waren zehn Absolventen der Fachschule für Werbung und Gestaltung. Insofern war der Werbe auftritt stets ein Ergebnis kollektiver Arbeit. Trotzdem gab es natürlich Grafiker, die prägend wirkten.
Dazu gehörte zuvorderst Gottfried Bormann, dem z.B. die Mehrzahl der üblichen Kofferaufkleber, Streichholzetiketten, Spielkarten, Massen von Werbemitteln und Kundenzeitschriften bis hin zu Briefmarken zuzuschreiben sind.
Seine Frau Eva Bormann hat auf diesem Gebiet ebenfalls viele Werke hinterlassen, obwohl sie nur auf Honorarbasis für die Interflug arbeitete. Sie wurde später Chefgrafikerin des Reisebüros der DDR, führte aber immer wieder Aufträge der Interflug aus.
Ebenfalls als Externer beeinflusste Hermann Misersky das Erscheinungsbild der Interflug, namentlich bei den Gestaltungsdominanten bzw. neudeutsch dem Corporate Design. Seine Frau Ursula Misersky war in der Abteilung Werbung beschäftigt.

Zum Erscheinungsbild selbst.
Mit der Namensgebung Deutsche Lufthansa und dem Entscheid, den Kranich weiter zu führen, waren 1955 natürlich die Weichen gestellt, an den Auftritt der alten Lufthansa anzuknüpfen. Aber schon vier Jahre später wurde die Interflug ins Leben gerufen.
Aus dem Rechtsstreit mit der Lufthansa AG ergab sich logisch, dass die Interflug sich komplett anders darstellen musste. Andererseits war ja die Interflug praktisch das gleiche Unternehmen mit anderem Auftritt, soll heißen, dass Flugzeuge und Besatzung heute für DLH und morgen für Interflug flogen. Also konnte man die Unterschiede im äußeren Erscheinungsbild praktisch nicht zu groß werden lassen, denn schon allein die Flugzeuge konnte man ja nun nicht täglich umfärben. Das gleiche galt für Dokumente und sonstig zu bedruckendes Firmenpapier.
So blieb es dann für die Interflug zwingend beim Blau der Lufthansa mit Gelb als Sekundärfarbe. Der Schriftzug und das Zeichen waren aber neu und vorbildlos.

Trotzdem gab es aber Verstimmung: Die Firma Opel erhob den Einspruch, die Interflug-Ellipse wäre nur eine leicht geänderte Kopie ihres Warenzeichens. Die Sache ist aber damals wohl ohne größeren Lärm beigelegt worden.

Mit der Entscheidung, zum 01. September 1963 den gesamten zivilen Luftverkehr der DDR der Interflug GmbH zu übertragen und den VEB Deutsche Lufthansa verschwinden zu lassen, brach für die Werbung der Superstress aus. Zum einen konnten jetzt natürlich Nägel mit Köpfen gemacht werden, sprich man konnte nun ein echt einmaliges Erscheinungsbild der Interflug kreieren.
Hierbei entstand aus der "blauen" Interflug die ,,rote" Interflug. Die Hausfarben waren nun Rot/Weiß/Grau. Unter Umständen ist in diesen Farben auch die Ursache für die damaligen grauen Uniformen zu finden.

Bei der Neugestaltung wurde offensichtlich auch das Betriebszeichen präzisiert
Im Unterschied zur "blauen" Interflug, wo die Längsachse des stilisierten Flugzeuges leicht nach links oben geneigt war, lag die Achse nun horizontal.
Zum anderen mussten sämtliche Dokumente auf das neue Erscheinungsbild umgestellt werden. Diese Aufgabe war schlicht riesig. Praktisch über Nacht mussten z.B. Abertausende Lufthansa-Flugscheine in der halben Welt durch solche der Interflug ersetzt werden. Davor musste man letztere aber erst einmal drucken. Und ein Flugticket ist nun auch nicht gerade ein einfaches Stück Papier. Und es gab ja noch mehr Dokumente als Flugscheine, die man für das luftrechtlich einwandfreie Funktionieren eines Luftfahrtunternehmens benötigte. Anspruchsvoll das alles.
Es ist natürlich, dass die Abteilung vornehmlich für den Verkehrsflug arbeitete. Stets blieb aber das Gesamtunternehmen im Blick. Was auch sonst noch alles kam - die Abteilung Werbung hat ihr Unternehmen nie im Stich gelassen stets war Interflug gut zu erkennen und erreichte nicht zuletzt dadurch einen erheblichen Bekanntheitsgrad oder eben einfach ein gutes Image.

Die Konstanten im visuellen Erscheinungsbild der Interflug

Der Schriftzug lNTERFLUG und das Betriebszeichen des stilisierten Flugzeuges in der Elypse waren stets die festen Konstanten im Erscheinungsbild des Unternehmes. Die grafische Urheberschaft dieser beiden Elemente ist nicht ganz klar. Seinerzeit bekannte sich Ulrich Queck zur Urheberschaft, was aber derzeit nicht belegbar ist. Sowohl das Betriebszeichen als auch das Schriftzeichen erlebten im Laufe der Jahre Anpassungen, die der flüchtige Betrachter sicherlich übersah, ja übersehen sollte. Das Betriebszeichen der Interflug, also die Ellipse war ursprünglich blau und die Längsachse des Flugzeuges leicht angestellt nach links oben. In der roten Form lag die Längsachse dann horizontal.

Hier das Logo in den Formen, gültig ab 1958, ab 1963 und ab 1979:

Auch der Schriftzug erlebte drei Gestaltungen in seiner Eigenschaft als Erkennungsmerkmal der Interflug, wobei stets der buchstabe "G" die größte Veränderung erfuhr.

Das erste Schriftzeichen

fügte sich aus relativ schlanken Buchstaben. Der Buchstabe "F" allerdings war etwas größer und hatte eine ,,Zacke" wie Insider das Detail jetzt nennen. Heute existieren nur wenige Fotos von 1959, die diesen Schriftzug am Bug verschiedener IL-14 zeigen (z.B. DM-SAK). Wobei auf den Fotos schon gleich das ewige Dilemma sichtbar wird: Die jeweiligen Schriftzüge sehen unterschiedlich aus. Die ,,Zacke" ist z.B. auf allen IL-14 unterschiedlich lang. Auf dieses erste Schriftzeichen der Interflug war am 4. November 1958 gemeinsam mit dem Bildzeichen vom Amt für Erfindungs-und Patentwesen die Warenzeichenurkunde ausgestellt worden. Letztlich prangte es nur tagelang an den IL-14.

Das zweite Schriftzeichen

wurde dann weit bekannt. Vorerst war es auch noch blau, aber dann, ab 1963, rot und prangte auf allen Flugzeugen der Interflug und weiter bis hin zum letzten Notizzettel. Als Autor des zweiten Schriftzeichens wird der Gestalter Alfons Hopf angegeben.

Das dritte Schriftzeichen

löste ab Ende 1979 gleitend das zweite ab.
Es unterscheidet sich von ihm durch eine etwas modernere und prägnantere Linienführung. Dieser Schriftzug wurde weiterhin leicht modifiziert, indem die Neigung der Buchstaben der Neigung üblicher Kursiv-Schriften angepasst wurde. Neben diesen Zeichen entwickelte sich natürlich ein gesamtes optisches Erscheinungsbild des Unternehmens Interflug.
In den 1960er Jahren war das noch nicht so streng ausgeprägt und verschiedentlich gab es Werbematerialien, Drucksachen u. ä. mit recht individuellen Gestaltungen.

Ab Ende des Jahres 1970 wurden die Buchstaben "IF" aus dem Betriebsnamen, die auch gleichzeitig den IATA-Code der Interflug verkörperten (eine günstige Fügung), praktisch zum zweiten Betriebszeichen der Interflug erhoben. In der Mitte der 1970er Jahre hatte sich das Zeichen der zwei 1 Buchstaben IF fest als Dominante etabliert.Damit einher ging auch die Entstehung von zusätzlichen Erkennungselementen der einzelnen Betriebe. So integrierte etwa der Agrarflug eine Z-37 und eine Ähre in sein Zeichen und der Spezialflug einen Mi-8. Die Flughäfen und die Flugsicherung nutzten ihre Zeichen eher selten, der Agrarflug und der Spezialflugl / Bildflug dagegen recht aktiv.

Mit dem Dienstantritt von Generaldirektor K. Henkes geriet das Buchstabenzeichen "IF" in dessen in heftige Kritik. In der Folge gab es dann zusammen mit der Einführung des dritten Schriftzuges 1979 auch einen erneuerten Betriebsstandard für das visuelle Erscheinungs¬bild. Anstelle des Dominanten "IF" wurde nunmehr das Parallelogramm mit der Ellipse als Betriebszeichen bestimmt. Die Hausfarbe blieb Rot (Uniset Rot A32). Später wurden für die fünf Betriebe auch deren Werbefarben definiert:

Verkehrsflug und Stäbe: Rot
Flughäfen: Hellblau
Flugsicherung: Orange
Agrarflug: Grün
Bildflug, später FIF: Dunkelblau

Die verschiedenen Zeichen der Betriebe verschwanden nun. Sie verwendeten jetzt auch ausschließlich das Wort-und das Betriebszeichen der Interflug, kombiniert mit dem Betriebsname in der vorgegebenen Schrift: UNIVERS -normal, kursiv.
Details dieses Wandels bei Interflug waren in der Zeitschrift "neue werbung" Nr. 2/1985 veröffentlich.

In seinem Beitrag schrieb dort Renatus Schulz:

... Verständlich, dass die verschiedensten visuellen Äußerungen in der Werbung und Öffentlichkeitsarbeit Gestaltungsgrundsätze verlangen, um trotz aller Vielfalt ein einheitliches Erscheinungsbild durchzusetzen.
Grundlage hierfür war eine Entscheidung, das seit Jahren bekannte visuelle Erscheinungsbild in seinen Hauptkonstanten -Betriebs-und Wortzeichen, Herkunftsbezeichnung, Farben und Schrift -so zu vervollkommnen, dass es aktuellen Gestaltungsanforderungen gerecht wird.
Zugleich galt es, die neuen Prinzipien und Anwendungsmöglichkeiten so zu wählen, dass ausreichend Freiraum für alle speziellen und vielfach sehr unterschiedlichen Gestaltungsaufgaben bleibt.
Es entstanden dann zwar verbindliche Grundsätze für die Gestaltung, doch kein grafisches "Baukastensystem"'.

INTERFLUG übertrug das Gesamtvorhaben dem Grafiker Herrmann Misersky von der Arbeitsgemeinschaft Berliner Grafiker, der diese Aufgabe in enger Zusammen¬arbeit mit der Abteilung Werbung der INTERFLUG löste. Das Wortzeichen INTERFLUG behielt seinen überall bekannten Charakter, wurde jedoch durch leichtes Anstellen der Kursivlage üblicher Schriften angepasst.
Durch verringerte Sperrung und Veränderung einiger Buchstaben konnte eine bessere Prägnanz erreicht werden, die sich besonders bei Verkleinerungen auswirkt.

Unser Betriebszeichen zeigt ein stilisiertes Flugzeug in einer Ellipse. Es steht negativ in einer Fläche von der Form eines Rhomboids. Die Hauptachse des Flugzeuges steht waagerecht zur oberen und unteren Begrenzung des Rhomboids. Dadurch erhöht sich die Richtungsstabilität des bisher freistehend verwendeten Betriebszeichens, das vor allem durch seine Darstellung auf den Leitwerken der Flugzeuge bekannt wurde.
Die neue Gestaltung berücksichtigt das und betont es - dem Leitwerk ähnlich - durch die Stellung des Rhomboids über der dritten Silbe des Wortzeichens INTERFLUG.
Die dadurch entstandene Achse wird für die Zuordnung der Herkunftsbezeichnung Deutsche Demokratische Republik genutzt. Je nach Bedarf und Einsatzgebiet kann die Herkunftsbezeichnung auch in der jeweiligen Fremdsprache in drei Zeilen zum Betriebs-und Wortzeichen stehen.
Als Grundschrift für alle als Konstanten festgelegten Kennzeichnungen wurde die Schrift UNIVERS normal, kursiv, gewählt und als Betriebsfarben Rot und Schwarz beibehalten.
Neben der Vorzugsform ist bei Gestaltungen im Querformat auch eine Ausnahmeform möglich. Für spezielle Aufgaben können Wort-und Betriebszeichen auch einzeln verwendet werden. Die hier erläuterten Grundsätze wurden außerdem bei der einheitlichen Kennzeichnung der Betriebe der INTERFLUG berücksichtigt.
Die neue Form der Konstanten und Anwendungsprinzipien für die Gestaltung des visuellen Erscheinungsbildes wird schrittweise eingeführt.

Die Vorzugsform der Hauptkonstanten des Interflug-Erscheinungsbildes ab 1979:

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