Die alte INTERFLUG im www
Historische Betrachtungen zur einstigen DDR-Fluggesellschaft INTERFLUG

last updated:
17-Feb-2017


Revision 3.0
IL-14


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Photo: H. Munk, zu dieser Zeit Bordfunker IL-14

Geschichte

Das Flugzeug wurde als Ersatz für die Iljuschin Il-12, dem Nachfolgemuster der Li-2, welche eine in der Sowjetunion unter Lizenz gefertigte Douglas DC-3 war, entwickelt. Der Erstflug fand am 13. Juli 1950 statt. Die Il-14 ist eine zweimotorige, als Tiefdecker ausgelegte Propellermaschine. Das Flugzeug wird sowohl für zivile wie auch für militärische Zwecke – als Frachtflugzeug – eingesetzt. Der Großteil der 1122 produzierten Maschinen wurde bis 1958 in der Sowjetunion von Iljuschin gefertigt. 80 Maschinen wurden in der DDR vom VEB Flugzeugwerke Dresden als Il-14P sowie in der Tschechoslowakei als Avia 14 gefertigt. Später wurde die Avia 32 (aus der Il-14M), die Avia-14-32A mit strukturell verstärktem Rumpf und höherer Abflugmasse und die Avia 14 Salon mit Druckkabine entwickelt. Von 1958 bis 1962 wurden ungefähr 200 Avia 14 hergestellt.

Konstruktion

Die Il-14 hat ein äußeres Erscheinungsbild, welches sehr ihrer Vorgängerin Il-12 ähnelt, ist aber ein komplett neuer Entwurf. Der kreisförmige Rumpf und das Bugradfahrwerk wurden komplett von der Il-12 übernommen. Die Tragflächen sind als Trapezflügel mit hoher aerodynamischer Streckung mit geraden Flügelspitzen ausgelegt. Die Klappen an der Hinterkante sind Spaltklappen. Das Seitenleitwerk hat eine quadratische Form mit einer vorgezogenen Leitwerkskante und einer relativ kleinen Rückenfinne.

Angetrieben wird die Il-14 von zwei 14-Zylinder-Sternmotoren vom Typ Schwezow ASch-82T und AW-50-Vierblatt-Verstellpropellern mit 3,80 m Durchmesser. Die Motoren wie auch die Propeller, die Front und die Leitwerke sind mit Enteisungssystemen ausgestattet.

Verbreitung

Das Flugzeug war in nahezu allen RGW-Staaten im Einsatz. Neben den Osteuropäischen auch in Kuba und Vietnam, außerdem in Afghanistan, Tschad, Irak, Nordkorea, der Volksrepublik China und Südjemen. Die Il-14 wurde auch als VIP-Flugzeug für Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser, Indiens Premier Jawaharlal Nehru, Jugoslawiens Präsident Tito und den Schah von Persien eingesetzt.

Versionen

  • IL-14P: erste Serienversion für max. 28 Passagiere
  • IL-14M: verlängerte Variante für max. 36 Passagiere
  • IL-14G: Frachtversion
  • IL-14T: militärische Transportversion, auch zum Absetzen von Fallschirmspringern

IL-14 auf dem Flughafen Leipzig am 29. August 1956

Cockpit

Innenraum

Technische Daten

Dreiseitenriss
Kenngröße Daten der IL-14M
Länge 22,31 m
Spannweite 31,7 m
Höhe 7,8 m
Antrieb 2 Schwezow ASch-82T Doppelsternmotoren
Leistung je 1.397 kW (1.900 PS)
Höchstgeschwindigkeit 430 km/h
Reisegeschwindigkeit 345 km/h
Gipfelhöhe 6.500 m
Reichweite 2.250 km
Startgewicht max. 18.500 kg
Leergewicht 12.700 kg
Passagiere max. 36
Besatzung 5

Seitenriss
Copyright: by ©Wikipedia.de
„Iljuschin Il-14 Interflug DM-SAB Innenraum (02)“ von Norbert Kaiser - eigene Aufnahme.
Lizenziert unter CC BY-SA 2.5 über Wikimedia Commons
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Das Triebwerk Asch-82

Das Kolbentriebwerk Shvetsov Asch-82 war ein luftgekühlter 14-Zylinder-Doppelstern-Motor. Die Leistung variierte zwischen den Versionen.
Es gab z.B. die Versionen W, V und T.

Das T-Modell war z.B. eine in der CSSR in Lizenz gebaute Weiterentwicklung des BMW-801, der aus dem Pratt & Whitney R-1880 hervorging. Dieser Motor soll 2500 PS (1893 kW) Leistung entwickelt haben.

Der in der Volksrepublik China gebaute Asch-82V soll es dagegen nur auf 1700 PS (1268kW) gebracht haben. Für den Einsatz im Hubschrauber wurde zur Zwangsbelüftung bei niedrigen Geschwindigkeiten, im Schwebeflug oder im Stand eine riesiges Lüfterrad vor den Motor montiert. Der erste BMW 801 A/C mit etwa 42 Litern Hubraum von 1940, (bekannt durch die FW-190) hatte nur 1600 PS Startleistung, während die Weiterentwicklung von 1943, der BMW 801 E/S bereits 2200 PS Leistung abgeben konnte.
Durch seine Luftkühlung war er im Gefecht weniger anfällig als der hängende, wassergekühlte 12-Zylinder-V-Motor Daimler-Benz DB-605 in der Me-109, der auch nur 1475 PS entwickelte.


Dieser Asch-82V aus China kann im Aeropark in Merseburg besichtigt werden.

Dieser Asch.-82W (Schnittmodell) befindet sich im Technikmuseum "Hugo Junkers" in Dessau

Schön zu sehen sind hier die zwei Kurbel-Ebenen des Doppelsternmotors

Das gewaltige Lüfterrad weißt auf den Einsatz im Hubschrauber hin.

Die IL-14 war das erste Flugzeug der neugegründeten Fluggesellschaft der DDR, der Deutschen Lufthansa (Ost).
Die erste IL-14 traf im Juli 1955 in Berlin-Schönefeld ein und erhielt das Kennzeichen DDR-ABA, die restlichen drei Maschinen folgten im November 1955 mit den Besatzung des russischen Instrukteurre Barilow ( DDR-ABF), Grigorijew ( DDR-ABX) und des Kommandanten Minajew (DDR-ABZ)


Ankunft der russischen Instrukteurs-Besatzung mit der DDR-ABA Photo: unbekannt

Die letzten drei Bilder stammen von H. Munk, damals Bordfunker auf der IL-14 der Lufthansa,
später INTERFLUG, dann auch als Navigator IL-18, TU-134 und IL-62
   

Ein besonderer Leckerbissen dürfte diese alte Bordinfo der Deutschen Lufthansa (Ost) von einem IL-14 Flug von Berlin nach Prag sein.

Die DM-SAB wurde damals am 25. Juni 1958 wohl noch von einem der russischen Instrukteure geflogen.
Die Stewardeß Ruth Hartmann stammte aus dem ersten Stewerdessen-Lehrgang der Deutschen Lufthansa (Ost).

Vielen Dank für dieses seltene Stück an Daniel Frohriep-Ichihara.

WALTER NEMBACH

IL-14-KOMMANDANT  DER  INTERFLUG

Die IL-14 der INTERFLUG befindet sich im Landeanflug auf den Flughafen von Prag. Die Wetterbedingungen sind ungünstig: Sicht 500 Meter, Wolkenuntergrenze 50 Meter, Seitenwind von rechts und Regen. Der Anflug wird vom Boden durch Radar geleitet. Ruhig und konzentriert fliegt der Kommandant Walter Nembach nach den in englisch erfolgenden Anweisungen des  Radaroperators. Der Höhenmesser sinkt konstant - 100 Meter, 90 Meter, 80 Meter, 70 Meter.  Kontrollierend schweift sein Augenpaar über die Instrumente. Dem Bordmechaniker gab er Anweisungen zur Korrektur des Ladedruckes und der Stellung der Landeklappen. 60 Meter, 50 Meter, Erdsicht! Genau vor uns liegt die Landebahn, deren Befeuerung sich in den regennaßen Scheiben spiegelt. Sekunden später setzt das Flugzeug auf, sicher und genau am Aufsetzpunkt, wie bei schönem Sonnenschein. „Thank you“, das gilt dem Radaroperator für den geleiteten Anflug. Umgeschaltet auf die Towerfrequenz und von dort die Anweisung für das Rollen zum Abstellplatz.

Es war eine Schlechtwetterlandung, wie Walter Nembach sie wohl schon Hunderte Male ausgeführt hat. Doch keine Routinesache, sondern jedesmal erneute Konzentration, als wäre es die erste. Fünftausend Stunden hat er bereits am Steuer der IL-14 gesessen. Nachdem die Passagiere das Flugzeug verlassen hatten, blieben wir noch in der Kabine sitzen. Die Stewardeß bringt Kaffee und ich meine Fragen an. Der Frage nach den Flughäfen, die er bereits angeflogen hat, folgte eine Aufzählung, in der unter anderem Warschau, Belgrad, Tirana, Sofia, Bukarest, Budapest, Warna, Burgas, Constanta, Helsinki, Kopenhagen, Oslo und Genf zu finden waren. Er besitzt ein Schreiben des Staatssekretärs Otto Winzer, in dem ihm persönlich für die sichere Durchführung der Flüge anläßich der Konferenz der Außnminister in Genf gedankt wird.

aus Aero-Sport 9/1964

Hier ein interessanter Artikel aus dem Aero-Sport (später dann und auch noch heute als Flieger  Revue bekannt) von 1964, der einen Schlechtwetter-Anflug des Kapitäns Walter Nemmbachmit einer IL-14 der INTERFLUG in Prag schilderte. Offensichtlich war das damalige Minimum für die IL-14 auf 50/500 festgesetzt, was bedeutet, das die Wolkenuntergrenze oder Vertikalsicht 50 Meter nicht unterschreiten durfte, um noch eine Landung zu "wagen". Die Sichtweite oder Landebahnsicht mußte mindestens 500m betragen. Man mußte also in 50m frei von Wolken die Landebahn oder ihre Umgebeung/Befeuerung in Sicht haben und in Sicht behalten, um eine Landung durchführen zu dürfen. Andernfalls mußte der Anflug abgebrochen/durchgestartet werden (go around).

INTERFLUG Flugkapitän Walter Nembach flog zunächst als Copilot und wurde dann 1960 zum Kommandaten (Kapitän, Pilot in Command) auf der IL-14 ausgebildet. Walter flog später auch die AN-24 und die TU-134 der INTERFLUG, war Fluglehrer und Checker, hatte verschiedene Leitungsfunktionen inne. Walter Nembach war einer der publikumswirksamen Kapitäne der INTERFLUG, stand oft im Rampenlicht der Öffentlichkeit, hatte ausgezeichnete Umgangsformen, eine gute Bildung, war verbindlich und freundlich zu jederman und so jeder Lebenssituation gewachsen. Walter war auch einige Jahre mit "unserer" Sonja verheiratet, eine der markantesten und professionellsten Stewardessen der INTERFLUG, die dann später den Kunstflugweltmeister und IL-62 Kapitän Peter Kahle heiratete, der dann nach der Wende bei Condor Kapitän war.


Walter Nembach, hier in einer TU-134

Hier ein historisches Foto des jungen Bordfunker/Navigator Helmut Munk mit einem Blick aus dem
Cockpitfenster der IL-14 mit dem Kennzeichen DDR-SBE.

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