Die alte INTERFLUG im www
Historische Betrachtungen zur einstigen DDR-Fluggesellschaft INTERFLUG

last updated:
23.09.2016


Revision 3.0
DM-SBL

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Am 9. Dezember 1963 brachte das „Sächsische Tageblatt“ die nebenstehende Meldung:

zeitungsnachricht

Autor: Gerd Ritter

Am 7. Dezember 1963 um 13:57 Uhr startete die IL-14 DM-SBL, c/n 6 34 12 06, der INTERFLUG in Berlin-Schönefeld zu einem Charterflug nach Constanta an der rumänischen Schwarzmeerküste mit einer geplanten Zwischenlandung in Budapest.

Im Cockpit saßen als Kapitän Achim Stiebritz, als Copilot Peter Riedel, der Bordmechaniker Bruno Häselbarth und der Bordfunker Achim Filenius.
In der Kabine befanden sich 28 Fluggäste, die von der Stewardess Renate Auer betreut wurden.

Etwa 14 Minuten nach dem Start, in einer Flughöhe von 2400 Metern über den Wolken, fiel plötzlich die gesamte Stromversorgung des Flugzeugs aus.

Wie die spätere Untersuchung ergab, war das Kabel zur Hauptstromwicklung des linken Generators gebrochen, worauf dieser ausfiel und keinen Strom mehr lieferte. In der Folge wurde der rechte Generator überlastet – neben den allgemeinen Geräten waren wegen der Vereisung in den Wolken noch die Heizungen eingeschaltet -, eine Sicherung im, während des Fluges nicht zugänglichen Fahrwerksschacht, löste aus und unterbrach die Stromzufuhr in das Bordnetz. Die Kapazität der Bordakkus war in wenigen Minuten aufgebraucht, so dass eine Nutzung elektrisch versorgter Geräte nicht mehr möglich war. Konstruktiv bedingt, leuchtete die Ausfallsignalisation der Generatoren nur auf, wenn dorthin ein Rückstrom floss. Dadurch konnte die Besatzung die fehlende Bordspannung erst nach dem Ausfall der Geräte feststellen.

In Anbetracht der kritischen Situation entschloss sich der Kapitän zum Flugabbruch und zu einer Notlandung in Dresden-Klotzsche.

Mit ausgefallener Bordanlage, ohne Funkkontakt, bei äußerst ungünstigen Wetterbedingungen und fehlender Erdsicht gelang es der Crew jedoch nicht, den Flughafen zu finden. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit, um 15:50 Uhr, wurde dann eine Notlandung mit eingefahrenem Fahrwerk auf einem Truppenübungsplatz in der Nähe von Königsbrück durchgeführt.

Die Flugzeuginsassen blieben unverletzt, lediglich zwei Passagiere erlitten leichte Prellungen. Alle 28 Passagiere haben, nach einer ärztlichen Begutachtung als flugtauglich eingestuft, ohne Zögern am nächsten Tag das Ersatzflugzeug bestiegen und ihr Urlaubsziel, ein Kreuzfahrtschiff, noch erreicht. 

 

Triebwerk links DM-SSBL Triebwerk rechts
Triebwerk links DM-SBL nach Bauchlandung Triebwerk rechts
Bruchstelle am Generator Sicherung im Fahrwerksschacht
Bruchstelle am Generator Sicherung im Fahrwerksschacht
Sowjetische Soldaten, die sich zur Ausbildung auf dem Gelände befanden, halfen unverzüglich bei der Bergung und dem Abtransport der Menschen und des Gepäcks in die nächstgelegene Ortschaft Schwepnitz.

Nach ersten Einschätzungen betrugen die Schäden am Flugzeug nur 18%.

Aufgrund der schlechten Transportwege aus dem Übungsgelände wurde die Maschine am Notlandeort vollständig demontiert und zum Flugzeugwerk Dresden abtransportiert, wo sie später auch verschrottet wurde.
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